Die nach ihren Ideengebern benannten Vorsorgeformen sind noch ein gutes Stück vom erhofften Erfolg entfernt. Was sind die Gründe? Lohnt sich eine geförderte Rentenversicherung wirklich und was bringen die zum 1. Juli 2013 beschlossenen Änderungen des Altersvorsorge-Verbesserungsgesetzes? 

Der Bestand an Rürup-Renten ist mit rund 1,6 Millionen Verträgen auf einem niedrigen Niveau und der ohnehin schwache Neuzugang verminderte sich in den letzten Jahren noch weiter. Bei den Riester-Renten wird die Situation noch deutlicher. Seit Ende 2012 stagniert der Bestand bei knapp 10,9Millionen Verträgen und verzeichnet so gut wie keinen Neuzugang. Woran liegt das?

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Es war eines der beherrschenden Themen im Bundestagswahlkampf 2014: Das Armutsrisiko vor allem für Geringverdiener und Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien wird in der Zukunft steigen. Die Bevölkerung in den neuen Bundesländern sowie alleinerziehende Frauen sind stärker von der drohenden Altersarmut betroffen. Auch Selbständige laufen Gefahr, zu wenig für ihre Einkommenssicherung im Alter zu tun. Viele schieben das Thema „Rente“ zu lange vor sicher her.

Riester-Produkte unter der Lupe
Grund für die Zurückhaltung bei der Riester-Rente ist die undifferenzierte Kritik in der Vergangenheit, die die Verbraucher verunsichert. Die holprige Einführung und die wiederholten Gesetzesänderung haben viele in ihrer Einschätzung zur Riester-Rente irritiert und sie fragen sich, ob ein Riester-Vertrag wirklich einen Mehrwert bietet. Diese Frage kann ohne Umschweife mit „Ja“ beantwortetet werden. Die Riester-Rente füllt nicht die gesamte Lücke, aber sie gehört zur Altersvorsorge als Ergänzung dazu. Die staatliche Förderung wirkt sich je nach Einkommen und Familienstand unterschiedlich stark aus. Die Förderquoten sind in allen Szenarien beachtlich und die Berechnungen machen deutlich, dass gerade Familien oder Alleinstehende mit Kindern, die ein geringes rentenversicherungspflichtiges Einkommen haben, sich die Riester-Rente durch das Zulagensystem leisten können. Aber Riester lohnt sich in einem breiten Einkommensspektrum auch für Besserverdiener. Hierbei sind allerdings Deckelungen der möglichen Beiträge bis maximal 2.100 Euro pro Jahr und die nachgelagerte Besteuerung zu beachten. Die Riesterrente wird im Gegensatz zu der privaten Rente im Rentenbezug mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

Flexibilität und Garantien im Fokus
Da die Riester-Rente als Altersversorgung gefördert wird, hat der Gesetzgeber einige Vorschriften in der Produktgestaltung erlassen, die eine Riester-Rente erfüllen muss: Eine Kapitalentnahme zu Beginn der Rentenphase ist nur bis 30 Prozent des vorhandenen Kapitals möglich und grundsätzlich isteine lebenslange Rente vorgesehen. Wesentliche Grundvoraussetzung ist auch (mindestens) die Garantie der eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn. Den Vorschriften entsprechend konzentrieren sich die meisten Riester-Produkte im klassischen
und Hybrid-Bereich. Vereinzelt werden auch Riester-Produkte als Variable
Annuities oder als Fondsrente mit i-CPPi Konzept angeboten. Trotz der gesetzlichen Vorschriften gibt es Unterschiede in den qualitativen Eigenschaften der Produkte. Wichtig sind dabei einerseits eine gewisse Flexibilität und andererseits die Ausgestaltung der Garantie. Durch die enge Koppelung des
Riester-Eigenbeitrags an das Einkommen ist es wichtig, dass Anbieter bei Änderungen der Beitragshöhe und bei Zuzahlungen zur vollen Ausschöpfung der Förderung die gleichen Vertragsbedingungen wie der Originalvertrag vorsehen. Bei den Hybridprodukten spielen zusätzlich die Fondsauswahl und Wechselmöglichkeiten eine Rolle.

Rürup als Alternative?
Die Rürup-Rente wurde vor allem für Selbständige als Substitut für die gesetzliche Rentenversicherung eingeführt. Sie kann jedoch von jedem abgeschlossen werden. Als Anreiz für den Abschluss einer Rürup-Rente wurde die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge als Sonderausgaben erhöht und steigt dabei jedes Jahr linear von 78 Prozent im Jahr 2014 bis auf 100Prozent im Jahr 2025. Da die Rürup-Renten der gleichen Schicht wie die gesetzliche Rente zugeordnet ist, fallen sowohl die Arbeitnehmer- als auch die Arbeitgeberbeiträge einer eventuell vorhandenen gesetzlichen Rentenversicherung in den gleichen Sonderausgabentopf. Selbständige, die keinen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen, können die Sonderausgaben in voller Höhe ausschöpfen. Die reine steuerliche Förderung bewirkt, dass die Attraktivität der Förderung vom Einkommen und des damit verbundenen persönlichen Steuersatzes abhängig ist.Bei Riester gleichen die Zulagen die Nachteile für Geringverdiener aus. Diese Lücke schließt die Rürup Rente nicht. Personen mit einem Einkommen unter 15.000 Euro haben keine nennenswerten steuerlichen Vorteile.

Garantie frisst Rendite
Ihrer Zuordnung zur gleichen Schicht wie die gesetzliche Rentenversicherung hat die Rürup-Rente auch die Zurückhaltung im Abschlussverhalten zu verdanken. Es gelten ähnliche und damit für eine private Vorsorge unattraktive Einschränkungen. Die Leistung wird grundsätzlich als lebenslänge Rente ausbezahlt, eine Auszahlung oder Teilauszahlung des vorhandenen Kapitals vor oder bei Rentenantritt ist nicht möglich. Damit die eingezahlten Beiträge im
Todesfall nicht verloren sind, kann eine Beitragsrückgewähr oder eine fest vereinbarte Hinterbliebenenrente bis maximal 60 Prozent der eigenen Rente eingeschlossen werden. Zu beachten ist aber, dass nur der enge Hinterbliebenenbegriff (Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder) gilt und die Leistung immer als lebenslange Rente ausbezahlt wird. Daneben kann auch eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitszusatzversicherung bis maximal 67 eingeschlossen werden, solange der Beitrag für die EU/BU-Rente kleiner als der Beitrag für die Altersversorgung ist. Rürup-Rentengibt es von klassisch bis fondsgebunden ohne Garantie. Grundsätzlich gilt: Je mehr Garantie, desto geringer die Renditemöglichkeiten. Da der Lebensstandard im Alter nicht nur dem Zufall der Kapitalmärkte anvertraut werden sollte, ist eine gute Mischung aus Renditemöglichkeit und Garantie, z.B. die Beitragsrückgewähr als Mindestgarantie, sinnvoll. Durchintelligente Produktgestaltungen können
den gesetzlichen Einschränkungen teilweise Alternativen angeboten werden. So ergibt die Kombination der Rürup-Rente mit einer Risikozusatzversicherung eine sinnvolle Todesfallabsicherung mit mehr Flexibilität. Etliche der angebotenen Basisrententarife enthalten auch Pflegeoptionen, die zu einer Erhöhung der Altersrente im Pflegefall führen, Ein weiteres wichtiges Kriterium ist
die tariflich vorgesehene Möglichkeit von Zuzahlungen.

Wie geht es weiter?
Der Gesetzgeber sollte zur Attraktivitätssteigerung der Basisrente über einige Verbesserun gen nachdenken. Eine (Teil)-Kapitalisierung, eine zeitgemäße Form des Hinterbliebenenbegriffs sowie eine echte Beitragsrückerstattung im Todesfall könnten wesentliche Bestandteile eines Erfolgs der Basisrente werden. Zusätzliche müsste die fehlende Förderung bei Selbständigen mit niedrigen Einkommen überdacht werden. Die steuerlich geförderte lebenslange Berufsunfähigkeits-absicherung, die das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz nun ermöglicht, zählt allerdings nicht zu den notwendigen Verbesserungen. Eine sinnvolle und simple Lösung könnte die steuerliche Förderung der selbständigen BU-Rente, statt lebenslang, bis zum Renteneintritt sein. In Kombination mit einer Basisrente ergäbe dies eine gute Absicherung, die auch finanzierbar wäre. Das BMF-Schreiben zur steuerlichen Behandlung der geförderten Produkte wird wahrscheinlich im ersten Quartal 2014 veröffentlicht. Ob es Versicherer gibt, die dieses lebenslange BU/EU-Produkt dann anbieten, bleibt abzuwarten.

Erschienen in Cash. 01/2014 ;  Autor: Ellen Ludwig