SERIE – ALTERSVORSORGE IM CHECK: Hybride Basisrenten Im zweiten Teil der Serie „Auswahl von Altersvorsorgeprodukten“ steht ein Produkt im Zentrum, das alles verspricht, was der Anleger wünscht: Sicherheit, Rendite und Steuervorteile. Doch trifft dies zu?

Die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, bietet dem Kunden Steuervorteile in der Ansparphase. Diese gewährt der  Staat, um  das Risiko der Altersarmut einzudämmen und knüpft daher Einschränkungen hinsichtlich der Verwendungen an die Basisrente. Die Möglichkeiten der Verwendung wurden der gesetzlichen Rentenversicherung angepasst. Die Basisrente kann nicht beliehen, veräußert, übertragen oder kapitalisiert und nur eingeschränkt vererbt werden. Damit ist klar, dass ein einmal abgeschlossener Basisrenten-Vertrag – wie die gesetzliche Rentenversicherung – auf jeden Fall zu einer monatlichen Rente führen wird, andere Verwendungsmöglichkeiten gibt es nicht.

Wenn es um die Rente geht, setzt der Verbraucher auf Sicherheit – vor allem nach der Finanzkrise. Doch Sicherheit alleine reicht nicht aus, gerne wird neben der Sicherheit auch noch eine hohe Rendite verlangt und zudem ein flexibles Tarifwerk. Dass diese Parameter eigentlich konträr und schwer zu vereinbaren sind, wird gerne übersehen. Hybridprodukte scheinen eine Kombination der konträren Kundenwünsche zu ermöglichen. Kann dies gelingen?

Das Hybridprodukt ist zwischen der klassischen Rentenversicherung und der konventionellen Fondspolice angesiedelt. Die klassische Rentenversicherung bietet einen Garantiezins von 2,25% plus Überschüsse, die aus der größtenteils konservativen Anlage im Deckungsstock resultieren. Wem die Renditeerwartung hieraus nicht hoch genug ist, muss zu fondsgebundenen Produkten greifen. Ist dem Kunden aber das Risiko der chancenreichen Fondspolice, bei der er das Kapitalmarktrisiko selbst trägt, zu hoch, bieten Hybridprodukte einen geeigneten Mittelweg, um die Sicherheit der klassischen Rentenversicherung mit den Chancen der Fondspolice zu kombinieren.

Viele Töpfe führen zum Ziel

Hybridprodukte gibt es inzwischen in verschiedenen Ausprägungen. Um die Jahrtausendwende wurde das erste statische 2-Topf Hybridmodell eingeführt. Der Sparbeitrag des Kunden wird auf zwei Töpfe aufgeteilt: Zum einen fließt er in den Deckungsstock und zum anderen in den Investmentfonds. Die Beitragsgarantie wird hierbei ausschließlich durch den Deckungsstock sichergestellt, was zur Folge hat, dass nur ein geringer Anteil des Sparbeitrags in die Fonds fließt. Durch den statischen Ansatz bleibt die Aufteilung des Sparbeitrages immer gleich und passt sich nicht den Anforderungen der Kapitalmarktentwicklung an. Die Renditeerwartung dieser Policen ist somit zwangsläufig eher überschaubar.

Das teildynamische 2-Topf-Hybridmodell ist die Weiterentwicklung des ersten, statischen  Modells. Der zweite Topf besteht bei diesem Modell nicht mehr aus Investmentfonds, sondern aus einem Garantiefonds. Da diese Fonds selbst eine Garantie bilden, meist in Form eines Kurshöchststands, fließt weniger des Beitrags in den Deckungsstock und ein größerer Beitragsanteil kann in den Garantiefonds gehen. Die Verteilung des Guthabens ist variabel: Je nach Kapitalmarktlage geht mehr Guthaben in den Deckungsstock oder in den Fonds. Problematisch kann es bei diesem Modell bei fallenden Kursen werden, dann kann es zu einem sogenannten Cash-Lock kommen. Zur Sicherung der Garantie muss das gesamte Kapital festverzinslich angelegt werden. Steigen die Kurse dann wieder an, besteht keine Chance mehr, um an Kursgewinnen auf dem Aktienmarkt teilzuhaben. Neuere Garantiefondsprodukte versuchen durch eine Barreserve stets die Chance auf einen Wiedereinstieg in Aktien zu wahren.

Um der Cash-Lock Problematik zu begegnen und mehr Renditechancen im Hybridmodell zu schaffen, wurde das dynamische 3-Topf-Hybridmodell entwickelt. Kundenindividuell wird bei diesem Modell (meist) monatlich geprüft wie die Risikoverteilung zwischen den drei Töpfen gestaltet werden soll. Einen Cash-Lock kann also zum nächsten Monat entgegen gewirkt werden. Der erste Topf bleibt beim dynamischen 3-Topf-Modell der Deckungsstock. Der Deckungsstock soll bei diesem Modell aber nur im Notfall eingesetzt werden. Topf Nummer zwei enthält meistens statt dem Garantiefonds einen Wertsicherungsfonds. Dieser Wertsicherungsfonds ist mit einer schwächeren Garantie ausgestattet, als dies bei Garantiefonds der Fall ist. Dadurch sollen höhere Aktienquoten ermöglicht werden. Binnen eines Monates kann der Wertsicherungsfonds beispielsweise nicht mehr als 20% seines Wertes verlieren. Der dritte Topf besteht aus der freien Fondsanlage. Wie bei der Fondspolice können Fonds frei gewählt werden oder auf gemanagte Konzepte zurückgegriffen werden. Die monatliche Neuverteilung zwischen den drei Töpfen erfolgt je nach individueller Vertragssituation und berücksichtigt die Kapitalmarktentwicklung und die Restlaufzeit des Vertrages. Einige Anbieter ermöglichen zudem die Wahl, wie viel Prozent der Beiträge garantiert werden sollen (maximal 100%).

Sicherheit kostet Rendite

Jede Form von Sicherheit, wie auch immer sie dargestellt wird, kostet Geld – sprich Rendite. Dies muss dem Kunden vor der Entscheidung für das Hybridprodukt klar sein. Wenig hilfreich sind dabei Hochrechnungen, die Ablaufleistungen anhand der Annahme einer konstanten Fondsentwicklung erstellen, wie es meistens der Fall ist. Bei der Betrachtung von Garantieprodukten, die bei Hybridmodellen eingesetzt werden, ist diese Form der Darstellung ungeeignet. Garantiekosten, die innerhalb der Fonds anfallen, werden so nicht verdeutlicht. Hinzu kommt, dass die Renditeerwartung durch Umschichtung der Fonds je nach Kapitalmarktlage geringer ist, als bei herkömmlichen Investmentfonds. Bei der Hochrechnung eines Hybridproduktes ist darüber hinaus zu bedenken, dass die Verteilung in den unterschiedlichen Töpfen variabel und nicht vorhersehbar ist, die Renditeerwartung je Topf aber stark variiert.

Der Ansatz des dynamischen 3-Topf-Modells bietet die größten Renditechancen der Hybridmodelle und stellt die Garantie am effizientesten dar. Die Renditechance einer konventionellen Fondspolice liegt darüber, birgt aber auch das volle Kapitalmarktrisiko, welches der Kunde selbst zu tragen hat. Die statischen und teildynamischen Modelle haben ihre Vorteile vor allem bei schlechter Kapitalmarktentwicklung. Bei anziehenden Kapitalmärkten ist die Partizipationschance durch den Deckungsstockanteil beziehungsweise durch die Darstellung der Garantie des Garantiefonds bei diesen Modellen eingeschränkt.

Die Anforderung der Kunden an Sicherheit bei gleichzeitiger Renditechance kann somit durch moderne Hybridmodelle erfüllt werden. Das Hybridmodell alleine reicht jedoch nicht aus, auch das Tarifwerk muss bestimmte Anforderungen erfüllen, um allen Kundenwünschen gerecht zu werden.

Ein breit aufgestelltes Portfolio an freien Investmentfonds ermöglicht es dem Kunden seine Anlage zu individualisieren und nach seinen Wünschen abzubilden. Will er das Fondsmanagement nicht selber handhaben, sollten Fondsbaskets zur Verfügung stehen. Eine Alternative zu den Fondsbaskets können Indexfonds sein, bei denen in der Regel nur geringere Managementgebühren anfallen. Leider bieten viele Versicherer noch keine Indexfonds in ihren Fonds-Portfolios an.

Ein neueres Produktfeature ist das Re-Balancing für die freien Investmentfonds. Das Re-Balancing ermöglicht die jährliche Wiederherstellung der ursprünglichen proportionalen Verteilung des Fonds-Portfolios. So bleibt die ursprüngliche Risikoaufteilung erhalten.

Der Vertragsabschluss einer hybriden Basisrente führt zwangsläufig zu einer Verrentung, ein Rückkauf oder eine Kapitalauszahlung sind nicht möglich. Wie auch bei der klassischen Basisrente ist daher die Wahl des richtigen Versicherers von großer Bedeutung. Zwar bieten bereits erste Anbieter eine fondsgebundene Rente an, meistens erfolgt die Verrentung aber klassisch – das bedeutet, dass der Erfolg des Versicherers erheblichen Einfluss auf die Berechnung der Rentenhöhe hat.

Ebenfalls von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich ist die Höhe des Rentenfaktors und dessen Garantie. Zu Rentenbeginn wird das angesparte Fondsguthaben in eine lebenslange Rente umgewandelt. Diese Umwandlung erfolgt nach einer Umwandlungsquote: Dem Rentenfaktor. Der Rentenfaktor gibt an, wie viel Euro Monatsrente der Kunde für jeweils 10.000 Euro Fondsguthaben erhält. Der bei Vertragsabschluss ausgewiesene Rentenfaktor bildet die aktuellen Rechnungsgrundlagen ab. Da sich zum Rentenbeginn andere Rechnungsgrundlagen ergeben können, wird meist nur ein Teil des aktuellen Rentenfaktors garantiert. Doch auch ein Vergleich dieser garantierten Rentenfaktoren reicht nicht aus. Der garantierte Rentenfaktor gilt bei einigen Gesellschaften nicht für das gesamte Fondsguthaben, sondern ist auf das Garantieguthaben, also die eingezahlten Beiträge, begrenzt. Hinzu kommt noch, dass es den Versicherern zusteht den garantierten Rentenfaktor unter bestimmten Umständen mit Zustimmung eines unabhängigen Treuhänders zu senken. Immer mehr Versicherer verzichten inzwischen auf dieses Recht und ermöglichen den Kunden so mehr Planungssicherheit für den Ruhestand.

Um tatsächlich den hybriden Alleskönner unter den Hybridprodukten zu finden, müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. Gelingt dies, kann die hybride Basisrente dem Kunden Sicherheit, Rendite und Steuervorteile bieten.

Erschienen in Cash. 06/2010 ;  Autor: Mirko Theine