SERIE – ALTERSVORSORGE IM CHECK

Der Blick über die Grenzen zeigt eine Produktwelt, die viele im heimischen Markt unübliche Ansätze bietet. Welche Chancen und Risiken bieten die Produkte ausländischer Lebensversicherer?

Die deutschen Lebensversicherer versuchen mit neuen Hybridmodellen oder innovativen Anlagestrategien Kunden und Vermittler zu gewinnen. Doch auch ausländische Versicherer drängen auf den Markt und differenzieren sich durch Anlagemodelle, die deutsche Anbieter nach inländischem Versicherungsrecht nicht anbieten können. Doch sind die Anlagemodelle ausländischer Anbieter besser, als die Versicherungspolicen inländischer Anbieter? Grundsätzlich ist diese Frage nicht pauschal zu beantworten, da es sich zumeist um grundverschiedene Produkte handelt. Der Kunde entscheidet, mit welchen Vor- und Nachteilen des jeweiligen Produktes er sich am wohlsten fühlt.

Anbieter ausländischer Lebensversicherungen bieten inzwischen hauptsächlich Produkte an, die auf das deutsche Steuerrecht zugeschnitten sind. Es gibt also Produkte für alle drei steuerlichen Schichten. Die gesetzlichen Einschränkungen der jeweiligen Schicht gelten somit auch für die Tarife ausländischer Versicherer. Durch die Meldepflicht von abgeltungssteuerpflichtigen Auszahlungen, verfügen seit dem 01.01.2010 ausländische Anbieter, die am deutschen Markt agieren, über eine inländische Niederlassung. Der Versicherer meldet dann Auszahlungen direkt an das Finanzamt und führt Abgeltungssteuer ab. Andernfalls müsste der Vermittler selber der Meldepflicht nachkommen. Steuerlich gelten aber auch hier die drei Schichten – wenn die Voraussetzungen für eine hälftige Ertragsanteilbesteuerung erfüllt sind, kann sich der Kunde im Rahmen der Einkommenssteuererklärung zu viel entrichtete Steuern zurückholen. Auch bei lebenslangen Rentenzahlungen gilt die günstige Ertragsanteilbesteuerung für Renten.

Am deutschen Markt werden im Wesentlichen drei Produktgattungen von ausländischen Versicherern angeboten: With-Profit, Variable Annuities und Unit-linked, die mit deutschen Fondspolicen vergleichbar sind. Variable Annuities werden teilweise auch von ausländischen Tochtergesellschaften deutscher Mutterunternehmen angeboten, da das deutsche Aufsichtsrecht es inländischen Versicherern nicht ermöglicht diese Produktgattung selbst anzubieten.

Renditechancen mit With-Profit
With-Profit-Produkte bieten einen großen Spielraum für Investments mit Renditechancen. Auf eine Garantie wird dennoch nicht verzichtet, allerdings greift diese erst bei Rentenbeginn. Wer vorher an das Geld möchte, muss auf eine Garantie verzichten. Da die Garantie erst zum Rentenbeginn sichergestellt sein muss, kann die Aktienquote während der Ansparphase hochgeschraubt werden. Der Sparanteil fließt in einen With-Profit-Fonds, der in Aktien, Renten und Immobilen investiert ist. Der Aktienanteil variiert, zum Jahresbeginn betrug er bei ausgesuchten Anbietern ca. 30 – 40 Prozent, kann aber auch deutlich höher ausfallen. Ähnlich wie bei der klassischen inländischen Lebensversicherung wird abhängig vom Anlageerfolg des Vorjahres für das Folgejahr eine Gutschrift deklariert. Diese Mindestentwicklung des angelegten Guthabens ist der so genannte regelmäßige Bonus. Er fällt deutlich geringer aus, als die laufende Überschussdeklaration deutscher Versicherer und liegt im Schnitt zwischen null und zwei Prozent pro Jahr. Der geringe Bonus erklärt sich durch einen Schlussüberschussanteilsfonds, in den der Großteil der erwirtschafteten Mittel fließt. Die Höhe des Schlussüberschusses ist nicht garantiert, auch kann der Schlussüberschussanteilsfonds im Insolvenzfall des Versicherers zur Unterstützung des Versicherers eingesetzt werden.

Die dem Kunden zustehenden Überschüsse werden mit einem speziellen Glättungsmechanismus berechnet, dem so genannten „Smoothing“. Das Smoothing soll die Volatilität der Kapitalanalagen reduzieren. Dadurch, dass die Zuteilung erst zum Rentenbeginn erfolgt, werden Wertschwankungen des Kapitals des Kunden ausgeglichen, die ansonsten im Zeitablauf deutlich schwanken würden. Die Grafik zeigt die Funktionsweise des Smoothings. Der Nominalwert ist bei Rentenbeginn garantiert und beschreibt die Summe der eingezahlten Beiträge sowie den regelmäßig gutgeschriebenen Bonus.

Wer vorzeitig auf das Vertragsguthaben zurückgreift, muss auf den Schlussüberschussanteil verzichten. Zu beachten ist zudem, dass der Versicherer bei vorzeitigen Entnahmen häufig eine Marktwertpassung (MWA) durchführen kann. Die Auszahlung kann dann bei unzureichender Performance unter dem Wert der Anteile liegen. Die Marktwertanpassung spiegelt die Wertschwankungen im Bestand der Vermögenswerte wider. Je nach Gesellschaft und Tarif sind meistens MWA-freie Entnahmen in Höhe von ca. 5 – 8 Prozent p.a. möglich.

Der richtige Versicherer
Die Wahl des richtigen Versicherers ist bei With-Profit-Produkten ähnlich wichtig, wie bei inländischen Anbietern klassischer Produkte. Während bei Fondspolicen das Fondsvermögen Sondervermögen ist, was auch im Falle einer Insolvenz des Versicherers dem Kunden zusteht, gilt dies nicht für Mittel im Schlussüberschussanteilfonds des With-Profit-Produktes. Zwar sind viele der ausländischen Anbieter sehr groß und finanzstark, so dass das Insolvenzrisiko überschaubar ist, dennoch sollte auf eine Bewertung von wichtigen Bilanzkennzahlen des ausländischen Anbieters nicht verzichtet werden.

Zum Rentenbeginn bieten viele Anbieter, insbesondere aus Großbritannien, eine Open-Market-Option an. Wenn der bei Vertragsabschluss gewählte Versicherer zum Rentenbeginn keine attraktive Verrentung anbieten kann, hat der Kunde die Möglichkeit das zur Verfügung stehende Kapital von einem anderen Anbieter verrenten zu lassen, der eine höhere Rente anbietet. Sogar bei der Basisrente besteht die Möglichkeit der steuerunschädlichen Übertragung des bei Verrentung zur Verfügung stehenden Kapitals auf einen Basisrentenvertrag eines anderen Versicherers.

Effiziente Garantien
Variable Annuities sind fondsgebundene Produkte, die möglichst effizient Garantien abbilden sollen. Gegen die Zahlung einer Garantiegebühr, die vom Sparbeitrag entnommen wird, kann das Produkt mit garantierten Mindestleistungen ausgestattet werden. Die Garantie wird durch ein separates Absicherungs-Portfolio abgebildet, das so genannte Hedging-Portfolio. Der restliche Sparbeitrag fließt in Investmentfonds, die ähnlich wie bei der Fondspolice von Kunden ausgewählt werden können. Das Hedging-Portfolio wird durch unterschiedliche Kapitalmarktinstrumente gebildet (z.B. Optionen, Futures). Zielsetzung ist, dass der Wert des Hedging-Portfolios dem Wert der zugesagten Garantie entspricht und diese Garantie dadurch gesichert ist.

Das Highlight bei Variable Annuities ist die klare Trennung von Kapitalanlage und Garantie. Diese Trennung ermöglicht die Investition in ertragreiche Investments, ohne dass auf Seite der Kapitalanlage Rücksicht auf die Garantiebildung genommen werden muss. Die Wahrscheinlichkeit eine attraktive Rendite zu erzielen wird somit erhöht. Wenn sich das Hedging-Portfolio nicht wie erwartet entwickeln sollte und nicht den Wert der Garantie erreicht, ist der Versicherer für die Sicherung der Garantie verantwortlich. Wie auch bei den With-Profit-Produkten ist ein finanzstarker und im Hedging erfolgreich agierender Versicherer von großer Bedeutung. Bei Variable Annuities, die von inländischen Versicherern angeboten werden, eigentlich aber über ausländische Töchter laufen, ist eine Patronatserklärung der Muttergesellschaft wichtig. Die ausländischen Töchter verfügen in der Regel nicht über genug Kapital, um im Ernstfall die Garantien alleine stemmen zu können.

Die Wahl der Garantie
Die Garantievariante unterscheidet sich je nach Variable Annuities Produkt. Gängig ist die Garantie des eingezahlten Kapitals zum vereinbarten Rentenbeginn. Diese Garantie ist ein so genannter „Guarenteed Minimum Accumulation Benefit“ (GMAB). Ebenfalls oft vertreten ist die Garantie einer garantierte Mindestrentenleistung zum Rentenbeginn. Die Mindestrentenhöhe ist in Euro garantiert, was für den Kunden die Altersvorsorgeplanung erleichtert und Transparenz bietet. Eine garantierte Mindestrentenleistung wird als „Guarenteed Minimum Income Benefit (GMIB) bezeichnet. Bei Einmalbeiträgen wird häufig ein Mindestrückkaufwert garantiert. Ist diese Garantieform, als „Guarenteed Minimum Withdrawl Benefits“ (GMWB) bezeichnet, vereinbart, kann der Kunde Teilrückkäufe in Höhe des garantierten Mindestrückkaufwertes vornehmen. Zahlt der Kunde zum Beispiel 100.000 EUR Einmalbeitrag ein, vereinbart er eine jährliche Auszahlung von 6% des Einmalbeitrags über einen bestimmten Zeitraum. Er erhält dann über den gesamten Zeitraum die vereinbarte Auszahlung, auch wenn der in Investmentfonds investierte Einmalbeitrag bereits aufgebraucht ist.

Unit-linked Produkte, die von ausländischen Anbietern angeboten werden gleichen den reinen fondsgebundenen Produkten inländischer Anbieter. Das Risiko einer negativen Kapitalmarktentwicklung trägt der Kunde. Garantien sind nicht vorgesehen, entsprechend weit nach oben offen ist die mögliche Performance.

Bei der Auswahl des passenden Tarifs gilt es, sowohl das Versicherungsunternehmen, als auch den Tarif zu betrachten. Insbesondere bei ausländischen Anbietern bieten viele Vergleiche keine ausreichende Beurteilung des Versicherungsunternehmens.
Wie auch bei inländischen Versicherern, ist der Tarif je steuerlicher Schicht zu betrachten, um die Besonderheiten der jeweiligen Schicht abzubilden. Die Betrachtung muss zudem die unterschiedlichen Produktgattungen differenzieren. [ascore] Das Scoring beleuchtet die Unternehmen und Tarife ausländischer Anbieter und bewertet diese anschließend durch ein Scoring-Verfahren, das sämtliche entscheidenden Kriterien berücksichtigt. In der Tabelle sind die besten Tarife ausländischer Anbieter von Variable Annuities und Fondspolicen aufgeführt.

Erschienen in Cash. 05/2011 ;  Autor: Mirko Theine