Erdüberlastungstag, Erderwärmung, Extremwetter, Veränderung der Pflanz- und Tierwelt, Waldsterben – die Aufzählung solcher Schlagworte lässt sich beliebig fortsetzen. Wissenschaftler warnen schon seit vielen Jahren vor dramatischen Auswirkungen unserer Vogelstrauß-Taktik und fordern Handlungen. Doch die Politiker sind zu zögerlich und die Klimakonferenzen der G20 Staaten haben auch eher therapeutischen Charakter. Bei den Gesprächen, was man zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der Erde tun könnte, wurden ganz nebenbei Unmengen an Energie für ein angenehmes Raumklima verbraucht und bei An- und Abreise jede Menge Kerosin in die Luft abgelassen. Die „Fridays for Future“ – Demonstrationen zeigen jedoch, dass viele junge Menschen die Probleme sehr ernst nehmen. Das macht Mut und regt Menschen jeden Alters zum Nachdenken an. Das Bewusstsein, dass jeder einzelne im privaten und beruflichen Umfeld etwas zu Verbesserung und Stabilisierung unserer Welt beitragen kann, steigt. Warum also nicht bei der eigenen Altersvorsorge auch auf Nachhaltigkeitsaspekte achten?


Nachhaltigkeit in der Altersvorsorge


Doch schon bei der Frage „wie kann man Nachhaltigkeit in Produkten feststellen“, stoßen sowohl Berater als auch Kunden auf Schwierigkeiten. Altersvorsorgeprodukte bestehen im Wesentlichen aus zwei getrennten Anlagebereichen: Erstens aus der Anlage im Deckungsstock, also der Kapitalanlage des Versicherers, zweitens aus den frei wählbaren Fonds. Wirklich nachhaltige Produkte müssten daher in beiden Kategorien einen Nachweis für Nachhaltigkeit erbringen. Für den Fondsbereich gibt es etablierte Methoden ethisch-ökologische Kriterien zu messen. Die sogenannte „EDA-Analyse“ (EDA steht für „Ethisch Dynamischer Anteil“) ist, nach unseren Recherchen, für Fonds nicht nur die Umfangreichste, sondern bietet auch Transparenz und Aussagekraft. Diese Analyse-Methode wurde von der 1994 gegründeten österreichischen Firma Mountain-View Data GmbH1) entwickelt. Die LV-Programme von softfair nutzen diese Analysen und weisen die EDA-Anteile für die wählbaren Fonds von Altersvorsorgeprodukten aus, um Vermittler und Kunden bei der Fondsauswahl auch nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu unterstützen.

Beim Blick auf Nachhaltigkeitsuntersuchungen bei den Anlagen der Versicherer sieht es dürftig aus. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale aus 2017 zeigte einen guten Ansatz. Das Ergebnis verdeutlichte jedoch das grundlegende Problem: Die meisten Versicherungsgesellschaften wollen sich nicht in die Karten schauen lassen, entsprechend lückenhaft waren die Antworten. Laut Verbraucherzentrale wollten 20 von 46 Versicherer keine konkreten Angaben zu Nachhaltigkeitsstandards machen.

Positivbeispiele sind Versicherer, wie Concordia Oeco, die Bayerische mit Pangaea oder die Stuttgarter mit der grünen Rente, die ihre Produkte ausschließlich auf nachhaltige Anlagen begrenzen und dies auch transparent kommunizieren. Die Konsequenz daraus: Setzt der Kunde auf Nachhaltigkeit in seiner Altersvorsorge, muss er sich derzeit auf wenige Anbieter bzw. Produkte am Markt konzentrieren.



Auszug aus den EDA-Kriterien:

Ausblick: Die CSR-Berichterstattung (CSR steht für Corporate Social Responsibility, also für die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft) ist seit dem Geschäftsjahr 2017 auch für Versicherer ab 500 Mitarbeiter Pflicht. Diese Berichte bestehen derzeit jedoch mehr aus langen Texten als aus Fakten. Ob diese Berichte zukünftig zu mehr und transparenteren Informationen zu nachhaltigen Anlagen und Investitionen der Versicherer führen werden, wird sich zeigen.

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1) Das Unternehmen wurde im Jahr 1994 als software-systems.at gegründet und Anfang 2017 in Mountain-View Data GmbH umbenannt.