betriebliche Krankenversicherung In Deutschland werden die Arbeitnehmer immer älter und somit häufiger krank. Die Kosten, die Firmen dadurch entstehen, sind enorm. Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) bietet Lösungen für dieses Problem und unterstützt zugleich die Mitarbeiterbindung und Motivation. Doch was genau leisten die bKV-Tarife eigentlich?

Unternehmen in Deutschland stehen im Personalmanagement derzeitig vor mehreren Herausforderungen. Der demografische Wandel führt zu einer Überalterung der Belegschaften, was zu einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten führt. Verschärft wird die Problematik durch immer geringer werdende Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Darüber hinaus sorgt der Mangel an Nachwuchsfachkräften am Arbeitsmarkt für einen verschärften Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter. Attraktive Gehaltspakete, die auch um soziale Nebenleistungen ergänzt werden, sind gefragt, um sich vom Wettbewerb abzuheben.

Krankheitskosten
Schon heute erleiden deutsche Unternehmen einen Produktivitätsausfall von 130 Milliarden Euro, wie eine Studie der Beratungsfirma Booz & Company im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung für das Jahr 2009 ergeben hat. In die Berechnung fließen dabei sowohl die Kosten ein, die durch ein krankheitsbedingtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz entstehen (Absentismus), als auch die  Kosten, die entstehen, wenn Mitarbeiter krank zur Arbeit gehen (Präsentismus). Dabei überwiegen die Kosten, die entstehen, wenn krank gearbeitet wird  – diese Kosten machen ca. 2/3 der Gesamtkosten aus. Die Kosten begründen sich durch verminderte Arbeitsproduktivität, erhöhte Fehleranfälligkeit oder Unfälle der Erkrankten. Zudem verlangsamt sich die Heilung und das Risiko chronischer Krankheiten steigt. Im schlimmsten Fall werden auch noch Kollegen angesteckt. In Zukunft dürften sich die krankheitsbedingten Kosten für Unternehmen noch weiter erhöhen. Durch die immer älter werdende Bevölkerung wird die Altersgruppe der 50 bis 65-Jährigen in 10 Jahren ca. 40 Prozent der deutschen Erwerbstätigen ausmachen. Damit werden Krankheiten des Kreislaufsystems, des Atmungssystems, des Muskel-Skelett-Systems sowie Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten zunehmen.

Hohes Potential
Die betriebliche Krankenversicherung kann dazu beitragen, die Krankheitskosten zu senken und insbesondere durch verbesserte Krankheitsvorsorge zur Problemlösung beitragen. Durch richtige Prävention können laut Volkswirtschaftsprofessor Peter Oberender 75% der durch chronische Erkrankungen bedingten Arbeitsausfälle verhindert werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ist sogar der Meinung, dass Unternehmen bis zu 40% der Arbeitsausfallzeiten durch entsprechende präventive Maßnahmen vermeiden können.

Hier liegt das große Potential der betrieblichen Krankenversicherung. Der Markt der bKV ist vielversprechend. Die Produkte bieten Arbeitgebern und Arbeitsnehmern Vorteile und können somit zu einer Win-Win Situation führen, von der auch Vermittler und Versicherer profitieren. Für die privaten Krankenversicherer bietet die bKV eine attraktive Ergänzung zur Krankenvoll- und privaten Krankenzusatzversicherung. Beim Blick ins Ausland wird deutlich, dass dort Modelle der betrieblichen Krankenversicherung bereits erfolgreich implementiert sind. Bei der bKV wird die Belegschaft über den Arbeitgeber krankenversichert, der auch die Beiträge zahlt. Die bKV-Tarife ergänzen den gesetzlichen Krankenversicherungsschutz, die Leistungsbestandteile lassen sich meist modular zusammenstellen.

Vorteile
Schließt der Arbeitgeber einen Gruppenvertrag bei einem bKV-Anbieter ab, profitieren die Mitarbeiter gleich von mehreren Vorteilen. Eine Gesundheitsprüfung entfällt oder kann in vereinfachter Form vorgenommen werden, auf Wartezeiten wird meist verzichtet und die Konditionen sind günstiger als bei einer einzeln abgeschlossenen privaten Krankenzusatzversicherung. Lebensgefährte und Kinder können ebenfalls zu den günstigen Konditionen des Gruppenvertrags versichert werden, müssen diese aber privat zahlen. In diesem Fall ist in der Regel jedoch eine Gesundheitsprüfung notwendig.

Auch der Arbeitgeber profitiert bei der bKV von zahlreichen Vorteilen.  Er kann durch die verbesserte medizinische Versorgung und Vorsorge eine Reduktion von Krankentagen und somit eine Steigerung der Produktivität erlangen. Durch die angebotenen betrieblichen Krankenversicherungsleistungen erhöht das Unternehmen seine Attraktivität und beweist soziales Engagement, was bei der Mitarbeitergewinnung und der Mitarbeiterbindung zum Tragen kommt. Ein wichtiger Faktor ist hierbei, dass der Mehrwert durch die bKV sofort für die Mitarbeiter erlebbar ist und die Motivation fördert. Während sich bei der betrieblichen Altersvorsorge die Vorteile für die Mitarbeiter erst im Rentenbezug zeigen, sind die Vorteile der bKV bereits beim nächsten Arztbesuch spürbar.

Steuerliche Absetzbarkeit
Der Arbeitgeber kann die Beiträge zu einem arbeitgeberfinanzierten bKV-Gruppenvertrag zugunsten der Mitarbeiter steuerlich absetzen, von Sozialversicherungsabgaben ist der Beitrag zudem befreit. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BFH, Urteil v. 14.04.2011, VI R 24/10) gelten die Beiträge zur bKV als Sachzuwendungen. Voraussetzung für die Steuer- und Sozialabgabenfreiheit ist allerdings, dass die Beiträge zusammen mit anderen Sachzuwendungen beim Arbeitnehmer im jeweiligen Kalendermonat den Wert von 44,00 Euro nicht übersteigen.

Liegen die Beiträge für die bKV über dieser Grenze, sind sie zu versteuern. Dies kann durch eine individuelle Besteuerung geschehen, bei der die Beiträge als Nettoentgelt gelten, aus dem das Bruttoentgelt errechnet wird. Steuern und Sozialabgaben, die hierauf entfallen, sind vom Arbeitgeber zu tragen. Alternativ besteht die Möglichkeit der Pauschalversteuerung. Hierbei werden die Beiträge als sonstige Bezüge jährlich gezahlt und dürfen 1.000 Euro je Mitarbeiter nicht übersteigen. Beiträge und Pauschalsteuer können als Betriebsausgabe gebucht werden.

Geringer Aufwand
Um eine bKV mit einem Gruppenvertrag ohne Gesundheitsprüfung abzuschließen, ist in der Regel eine Mindestanzahl an Personen nötig, die in dem Tarif versichert werden. Die Anzahl schwankt je Anbieter – oft zwischen 5 und 20 Personen. Manchmal ist zusätzlich ein bestimmter prozentualer Abdeckungsgrad der Belegschaft notwendig, der versichert wird. Sind diese Anforderungen erfüllt, entfallen bei den meisten Anbietern Wartezeiten und die Gesundheitsprüfung. Oft ist dann auch eine vereinfachte Listenanmeldung für zukünftig hinzukommende Mitarbeiter möglich. Der Eintrag in der Liste reicht aus, um den Versicherungsschutz zu beantragen. Der Mitarbeiter erhält vom Versicherer direkt eine Bestätigung über den Versicherungsschutz, so dass der Verwaltungsaufwand für den Arbeitgeber minimiert wird. Auch die Leistungsabwicklung erfolgt direkt zwischen Versicherer und Mitarbeiter. Damit dem Unternehmen tatsächlich kein Aufwand im Zusammenhang mit der bKV entsteht, bieten viele Anbieter eine telefonische Beratung für Versicherte an, um Auskünfte zum Versicherungsschutz sowie medizinische Auskünfte zu erhalten.

Die Berechnung der Beitragshöhe erleichtert die geschlechtsneutrale Kalkulation sowie eine Einteilung in Altersgruppen, beispielsweise 0 bis 20 Jahre, 21 bis 65 Jahre und die Altersgruppe ab 66 Jahren. Die Altersgruppen unterscheiden sich je Anbieter. Für die betriebliche Krankenversicherung gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, daher variiert die Gestaltung der Angebote je Anbieter. Das gilt auch für das Ausscheiden aus dem Unternehmen, wenn eine bKV besteht. Scheidet ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen aus oder geht in Rente, kann er seinen Versicherungsschutz üblicherweise privat fortführen oder sein neuer Arbeitgeber führt die bKV fort. Obligatorisch eingeschlossen ist diese Regelung jedoch nicht, es gilt das Bedingungswerk des Versicherers zu prüfen.  Zu beachten ist generell bei privater Fortführung der bKV-Tarife, dass diese überwiegend ohne Altersrückstellung kalkuliert sind.

Modulare Bausteine
Die enthaltenen Leistungen des Gruppenvertrages lassen sich durch verschiedene Tarifbausteine kombinieren, welche die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ergänzen. Die Bausteine können je Anbieter variieren. Grundsätzlich werden Module für folgende Leistungen angeboten: Vorsorge, Zahnersatz, Zahnprophylaxe und –behandlung, Krankentagegeld, Krankenhaus, Sehhilfen, Heilpraktiker sowie die Auslandsreisekrankenversicherung. Die Leistungsansprüche innerhalb der einzelnen Bausteine unterscheiden sich je nach Tarif und Anbieter.

Blick ins Detail
Bei dem Blick auf das Leistungsportfolio der bKV Tarife sind je Modul einige wesentliche Aspekte zu beachten. Im Modul der ambulanten Vorsorge variiert der Erstattungssatz überwiegend zwischen 80% und 100% des verbleibenden Rechnungsbetrages. Darüber hinaus kann es eine Höchstgrenze je Kalenderjahr in Euro geben. Bei Vorsorgeuntersuchungen ist zu prüfen, ob es Mindestaltersgrenzen gibt. Gibt es keine, ist dies positiv anzusehen, jedoch kann in diesem Fall der Erstattungssatz durch die fehlende Vorleistung der  gesetzlichen Krankenversicherung bei einigen Anbietern geringer ausfallen. Gleiches gilt für Vorsorgeuntersuchungen, die über den gesetzlichen Umfang hinausgehen.

Beim Zahnersatz bieten fast alle Tarife einen Erstattungssatz von 100% nach Vorleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Bei der Zahnprophylaxe und-behandlung ist es hingegen nicht selbstverständlich, dass eine Erstattung bis zum 3,5 fachen Satz der GOZ versichert ist, wird aber überwiegend angeboten. Eine Zahnstaffel besteht bei dentalen Leistungen in der Regel in den ersten Jahren, danach ist die Leistung unbegrenzt. Einige bKV-Tarife verzichten sogar von Beginn an auf eine Zahnstaffel.

Stationäre Leistungen sind nicht bei allen Anbietern als bKV-Tarif abzusichern. Versichert ist im Modul der stationären Leistungen die Chefarztbehandlung sowie eine Unterbringung im Zweibettzimmer, bei einigen Tarifen auch eine Unterbringung im Einbettzimmer. Viele bKV-Tarife leisten auch für ambulante Operationen im Krankenhaus. Eine freie Krankenhauswahl ist ebenfalls Bestandteil vieler bKV-Tarife.

Heilpraktikerleistungen sind ebenfalls nicht bei allen Anbietern Bestandteil des bKV-Portfolios. Erstattet werden in diesem Modul Heilpraktikerleistungen gemäß Gebührenverzeichnis der Heilpraktiker (GebüH). Hinsichtlich des Erstattungssatzes und der Höchstsumme für Heilpraktikerleistungen unterscheiden sich die Angebote je nach Anbieter deutlich.

Die bKV-Tarife für das Modul der Auslandsreisekrankenversicherung gleichen sich in vielen Aspekten. Zu beachten ist, dass bei der Auslandsreisekrankenversicherung im Rahmen der bKV bei einigen Anbietern lediglich Dienstreisen und keine Urlaubsreisen versichert sind. Auch hinsichtlich der Reiseschutzimpfungen unterscheiden sich die bKV-Tarife deutlich. Zum Teil sind Reiseschutzimpfungen nicht Bestandteil des Versicherungsschutzes, oft sind die eingeschlossenen Impfungen stark eingeschränkt oder durch einen Höchstbetrag gedeckelt.

Zu Beginn des Jahres hat ascore Das Scoring erstmals bKV-Tarife untersucht und einem Scoring unterzogen. Hierbei wurden bestimmte Kriterien und Mindeststandards definiert, die Angebote aus Sicht des versicherten Mitarbeiters mindestens erfüllen sollten. Anbieter, die in den einzelnen Modulen ausgezeichnet bewertete Tarife anbieten, sind in der Tabelle dargestellt. Im Ergebnis sind die meisten bKV-Tarife der betrachteten Versicherer von der Leistung sehr gut aufgestellt.

Erschienen in Cash. 06/2013 ;  Autor: Mirko Theine