Seit 01.01.2016 ist Solvency II als „marktgerechter“ Bewertungsansatz im Einsatz bei den Versicherern. Die Versicherer müssen den sogenannten SFCR-Bericht (Bericht über die Finanzlage und Risikosituation des Unternehmens) im Mai des Folgejahres veröffentlichen und jedem zugänglich machen. Dieser Bericht enthält wesentliche Informationen zur Berechnungsart und zu den Bewertungsansätzen und Annahmen in der Entwicklung der Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und Risiken. Die ersten SCR-Quoten wurden zum ersten Mal für das Geschäftsjahr 2016 veröffentlicht, nun steht das zweite Jahr, das abgeschlossene Geschäftsjahr 2017, zur Verfügung und zeigt, wie sich die Quoten bei den Versicherern verändert haben.

Die Analysten von [ascore] untersuchen die Solvenz-Berichte nach folgenden Kriterien:

– Wird die Standardformel, ein internes Modell oder partielles internes Modell benutzt?
– Wird eine Übergangsmaßnahme genutzt?
– Werden Volatilitätsanpassungen verwendet?

Gemäß gesetzlicher Vorgaben muss jedes Unternehmen ausreichend viele Eigenmittel zur Abdeckung verschiedenster Ereignisse – auch sehr unwahrscheinlicher – vorhalten. D.h. die anrechenbaren Eigenmittel müssen stets mindestens so hoch sein wie die Solvenzkapitalanforderung (SCR), also mindestens 100 Prozent. Um eine bessere Vergleichbarkeit der daraus errechneten Quote herzustellen, werden die SCR-Netto-Quoten berechnet. Bei den Netto-Quoten werden stets Volatilitätsanpassungen und Übergangsmaßnahmen herausgerechnet. Da die Gesellschaften meist die SCR-Quote nur inklusive eventueller Übergangsmaßnahmen und/oder Volatilitätsanpassungen angeben, können diese von den Netto-Quoten abweichen.

Grundsätzlich kann man einen positiven Trend feststellen: Von 34 Gesellschaften stieg die SCR-Quote bei 10 Gesellschaften deutlich (mehr als 50 %-Punkte) und bei 18 Gesellschaften blieb die SCR-Quote ungefähr gleich (zwischen -50 % und +50 %). Lediglich bei 6 Gesellschaften sank die SCR-Quote um mehr als 50 %-Punkte – bei den gesunkenen Quoten muss man allerdings bemerken, dass sich alle in einem sehr komfortablen Bereich zwischen 367% und 889% befinden und die Senkung daher in keinster Weise sicherheitsrelevant ist. Auch der Durchschnitt der Gesellschaften stieg von 512 Prozent auf 563 Prozent.

Eine Übersicht über die SCR-Quoten der letzten zwei Jahre finden Sie hier:
>> 2016
>> 2017

Eine Übersicht über die SCR-Quoten der letzten zwei Jahre finden Sie hier:
>> Vergleich 2016 – 2017