SERIE – ALTERSVORSORGE IM CHECK

In diesem Teil der Serie „Auswahl von Altersvorsorgeprodukten“ wird die hybride Privat-Rente untersucht. Sie bietet ein hohes Maß an Flexibilität und verbindet durch den hybriden Ansatz den Aspekt Sicherheit mit Rendite.

Produkte der dritten steuerlichen Schicht, in die auch die Privat-Rente fällt, bieten all denen eine interessante Alternative für den Ruhestand vorzusorgen, die aufgrund der gesetzlichen Restriktionen der ersten beiden Schichten eine andere Vorsorgeform vorziehen. Konkret bedeutet dies, dass der Kunde einen Todesfallschutz wünscht, im Notfall jederzeit Zugriff auf das Kapital hat und der Vertrag für eine Finanzierung beliehen werden kann. Die Privat-Rente ermöglicht all diese Optionen, die mit einem Riester- oder Basisrentenvertrag nicht oder nur eingeschränkt zu verwirklichen sind. Dies dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum die Privat-Rente trotz der Konkurrenz von Basis- und Riester-Rente, die mit sofort zu realisierenden Steuervorteilen auftrumpfen, weiter nachgefragt und erwünscht ist. Oft in den Hintergrund gedrängt, aber keinesfalls zu vernachlässigen sind die Steuervorteile, mit denen die Privat-Rente punkten kann. Zwar müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit der Versicherungsnehmer in den Genuss der Steuerersparnis kommt, doch allzu schwer erfüllbar sind diese nicht. Bis zur Inanspruchnahme der Versicherungsleistung müssen mindestens 12 Jahre vergangen und das 60. Lebensjahr vollendet sein. Angesichts der Zielsetzung für das Alter vorzusorgen und einer immer weiter ansteigenden Lebenserwartung und damit einhergehenden längeren Zeit der Erwerbstätigkeit stellen die Anforderungen für die Steuervorteile keine hohe Hürde dar. Sind die Voraussetzungen erfüllt, muss bei einer Kapitalleistung lediglich die Hälfte der Erträge versteuert werden. Bei der Rentenzahlung, unterliegt nur der Ertragsanteil der Besteuerung. Der Ertragsanteil beträgt gemäß Einkommenssteuergesetz lediglich 18% für den 65 Jährigen, wer sich mit dem Rentenbeginn bis 67 geduldet, wird mit einem Ertragsanteil von 17% belohnt.

Was leistet das Hybridmodell?

Wird bei der Form der Anlageart die Hybrid-Variante gewählt, stehen zwei Wünsche im Vordergrund, die sich üblicherweise schlecht verbinden lassen. Der Wunsch nach Sicherheit und der Wunsch nach einer ertragreichen, renditestarken Anlage. Hybridmodelle bieten hier Abhilfe, können das Wunschbild des Kunden jedoch auch nur eingeschränkt erfüllen. Klar muss dem Kunden bei den unterschiedlichen Hybridmodellen sein, dass er die Sicherheit stets erkauft, sei es durch eine Garantiegebühr oder eine geringere zu erwartende Rendite in einem Garantie- oder Wertsicherungsfonds. Wie der Name schon aussagt, handelt es sich beim Hybridprodukt um einen Mittelweg zwischen der klassischen Anlage im Deckungsstock mit gesetzlichem Garantiezins und der Fondspolice, bei der das Risiko des Kapitalmarktes komplett vom Versicherungsnehmer getragen wird. Zwangsläufig kann das Hybridprodukt nur einige Eigenschaften dieser beiden Anlagetypen abbilden. Die klassische Anlage wird immer mehr Garantie bringen, die fondsgebundene Versicherung stets höhere Renditechancen.

Den Anspruch Sicherheit und Rendite zu verbinden verfolgen am Markt unterschiedliche Hybridmodelle. Generell bietet der Ansatz des dynamischen Drei-Topf-Modells die größten Renditechancen. Die Abbildung der Garantie erfolgt bei diesem Modell recht effizient. Statische und teildynamische Zwei-Topf-Modelle können ihre Stärken vor allem bei langfristig eher schlechter Kapitalmarktentwicklung ausspielen. Ziehen die Kapitalmärkte an, können die Zwei-Töpfer nur schwer mitziehen, da zu viel Kapital im Deckungsstock oder der Garantiekomponente des Garantiefonds gebunden ist. Welches der Modelle am Ende am erfolgsversprechenden ist, hängt also zuletzt nicht unerheblich von der Entwicklung des Kapitalmarkts ab, die bekanntlich schwer vorherzusagen ist.

Von Töpfen und neuen Ansätzen

Das statische Zwei-Topf Hybridmodell beschrieb den Anfang der Hybridprodukte. Der Sparbeitrag des Kunden verteilt sich bei diesem Modell auf zwei Töpfe. Die Garantie der eingezahlten Beiträge wird durch den Deckungsstock dargestellt, die Rendite einbringende Komponente bilden freie Investmentfonds ab. Um die Garantie stets gewähren zu können, ist der Anteil der Sparbeiträge, der in die Investmentfonds fließt, überschaubar  – gleiches gilt für die Renditeerwartung.

Mehr Renditechancen eröffnen soll das teildynamische Zwei-Topf-Hybridmodell. Im Gegensatz zum statischen Modell wird der zweite Topf aus einem Garantiefonds, statt freien Investmentfonds gebildet. Die Garantie sichert der Fonds, so muss ein geringerer Anteil des Kapitals im Deckungsstock gebunden werden. Der dynamische Ansatz eröffnet die Möglichkeit das Guthabens variabel zwischen Deckungsstock und Garantiefonds zu verteilen, ausgerichtet an der aktuellen Kapitalmarktlage.

Die Weiterentwicklung dieser Modelle ist das dynamische Drei-Topf-Hybridmodell. Wie auch bei den anderen Modellen wird der erste Topf durch den Deckungsstock gebildet, allerdings soll der Einsatz dieses Topfes auf den Notfall beschränkt sein. Im zweiten Topf ersetzt ein Wertsicherungsfonds den Garantiefonds aus dem teildynamischen Zwei-Topf-Hybridmodell. Der Wertsicherungsfonds ermöglicht eine höhere Aktienquote, da die Garantie des Wertsicherungsfonds schwächer ist, als die des Garantiefonds. Die freie Fondsanlage rückt in den dritten Topf. In monatlichen Abständen wird bei dem dynamischen Drei-Topf-Hybridmodell Modell die optimale Risikoverteilung zwischen den Töpfen kundenindividuell überprüft und angepasst. Die Neuverteilung erfolgt je nach individueller Vertragssituation und berücksichtigt die Kapitalmarktentwicklung und die Restlaufzeit des Vertrages.

Cash-Lock Gefahr ist zu beachten

Beachtenswert ist die Cash-Lock-Gefahr bei Hybridmodellen. Der Cash-Lock beschreibt eine Situation, in der zur Sicherung der Garantie das gesamte Kapital festverzinslich angelegt ist, sei es im Deckungsstock oder innerhalb des Garantie- oder Wertsicherungsfonds. Steigen nun die Kurse am Kapitalmarkt wieder an, besteht keine Möglichkeit, vom Aufschwung der Märkte zu profitieren. Durch die monatliche kundenindividuelle Anpassung der Risikoverteilung im Drei-Topf-Modell kann einem Cash-Lock zumindest  zum nächsten Monat entgegen gewirkt werden. Beim teildynamischen Zwei-Topf-Modell helfen neue Garantiefonds, die durch eine Barreserve die Chance auf einen Wiedereinstieg in Aktien wahren.

Weitere Möglichkeiten Sicherheit und Rendite zu verbinden, bieten Variable Annuities und CPPI Modelle. Variable Annuities garantieren dem Kunden eine garantierte Rente und sichern die Garantie gegen eine bestimmte Garantiegebühr ab (z.B. einen festen Prozentsatz des Fondsguthabens pro Jahr). Mit der Garantiegebühr baut der Versicherer ein Portfolio aus Derivaten auf, das die Wertentwicklung der Investmentfonds entgegengesetzt widerspiegelt. Fallen die Fondskurse, steigen die Derivate entsprechend an. Durch die Trennung von Garantie und Kapitalanlage soll ein größerer Aktienanteil ermöglicht werden, um die Chancen des Kapitalmarktes besser nutzen zu können. Teilweise können die freien Investmentfonds selber gewählt werden. Wie auch bei den beschriebenen Hybridmodellen fallen zwangsläufig Kosten für die Abbildung der Garantie an, die aber durch die Garantiegebühr in den meisten Fällen transparent gestaltet sind.

Das CPPI-Modell unterteilt das Portfolio in die sogenannte Kapitalerhaltungskomponente, die aus risikoärmeren Anlageklassen besteht und der sogenannten Wertsteigerungskomponente, die aus risikoreicheren Anlageklassen gebildet wird. Die Kapitalerhaltungskomponente sorgt für die Sicherstellung der Beitragsgarantie. Abhängig von der Kapitalmarktsituation wird zwischen den beiden Komponenten umgeschichtet. Die Überprüfung der Gewichtung und die Umschichtungen erfolgen beim i-CPPI-Modell sogar tagesaktuell unter Berücksichtigung der individuellen Kundensituation jedes einzelnen Vertrags. Die Zusammenstellung des Portfolios unterliegt bei diesem Modell dem Vermögensverwalter, der Kunde kann hier nicht frei wählen, in welche Werte er investieren möchte.

Hochrechnung reicht nicht aus

Wer in vollem Umfang von der Flexibilität der Privat-Rente und der Verbindung von Sicherheit und Kapitalmarktchancen durch das Hybridmodell profitieren möchte, muss eine Vielzahl von Produktkomponenten berücksichtigen, um einen Anbieter ausfindig zu machen, der alle Wünsche erfüllt. Da der Erfolg des Hybridmodells stark von der Kapitalmarktentwicklung abhängig ist, die jedoch ungewiss ist, kann eine Hochrechnung alleine keinen Aufschluss über die Produktqualität geben. Vielmehr muss dem Wunsch nach Flexibilität und Sicherheit des Kunden auch durch die Bedingungen des Versicherungsvertrags nachgekommen werden. Unter Flexibilität wird verstanden, den Rentenbeginn flexibel zu gestalten, Zuzahlungen zu leisten oder Entnahmen tätigen zu können – vor und nach Rentenbeginn. Außerdem ist auch bei Hybrid-Produkten ein breites Investmentfondsportfolio wichtig, dies bietet Möglichkeiten zur Individualisierung und zum Ablaufmanagement vor Rentenbeginn. Darüber hinaus bedeutet Sicherheit für den Kunden nicht nur die Garantie der eingezahlten Beiträge, sondern auch eine Garantie über die Höhe der zukünftigen Rente. Da die Höhe des Guthabens zum Rentenbeginn im Vorfeld nicht bekannt ist, kann nicht garantiert werden, wie hoch die Rente ausfallen wird. Es kann aber die Umwandlungsquote in eine monatliche Rente je 1.000 Euro Fondsguthaben garantiert werden – der sogenannte garantierte Rentenfaktor. [ascore] Das Scoring hat untersucht, welche hybriden Privat-Renten-Tarife, bei Betrachtung sämtlicher für den Kunden wichtiger Produktmerkmale, die meisten Merkmale erfüllen. Alle Merkmale wurden gleich gewichtet und bewertet. Es wird deutlich, dass der Markt Tarife anbietet, die in der Lage sind, alle Kundenwünsche zu erfüllen. Die Tabelle zeigt die am besten bewerteten Tarife.

Erschienen in Cash. 11/2010 ;  Autor: Mirko Theine