In Zeiten niedriger Zinsen stehen die Lebensversicherer vor der Herausforderung, die dauerhafte Erfüllbarkeit der Verpflichtungen aus den Verträgen mit hohen Garantien sicherzustellen. Dafür wird für die Bestände mit hohen Rechnungszinsen jährlich jeweils für die nächsten 15 Jahre eine höhere Deckungsrückstellung (DRS) bzw. eine zusätzliche Reserve (eine Zinszusatzreserve (ZZR)) gebildet. Zugrunde gelegt wird hierbei ein sogenannter Referenzzins, indem die ZZR für solche Zinsgenerationen gebildet wird, deren Rechnungszins im laufenden Jahr über dem Referenzzins liegt.

Der Referenzzins für die Berechnung der ZZR wird jährlich für die gesamte Branche ermittelt. Für das vorangegangene Geschäftsjahr steht dieser seit 01.10.2019 fest und beträgt 1,92% nach 2,09% in 2018. Seit der Einführung der sogenannten Korridormethode1) für die Ermittlung des Referenzzinses in 2018 verändert sich dieser Parameter nicht so sprunghaft wie nach der alten Methode2) , die für 2019 einen Referenzzins in Höhe von 1,53% liefern würde.

Durch die neue Methode soll ein sehr starker Anstieg des Aufwands für die ZZR verhindert werden (s. Grafik). Insbesondere war in den letzten 2 Jahren keine zusätzliche Tarifgeneration (mit dem Rechnungszins von 1,75%) von der ZZR betroffen. Weiter sinkende Marktzinsen führten jedoch in 2019 zu einer stärkeren Senkung des Referenzzinses um 17 Basispunkte im Vergleich zu 12 Basispunkten in 2018, so dass um eine hohe Entlastung der Versicherer wieder keine Rede ist. Belastet wird hierbei vor allem auf der Ergebnisseite der Rohüberschuss und dementsprechend die Rückstellung für Beitragsrückerstattung und auf der Ertragsseite die laufende Durchschnittsverzinsung durch die Realisierung der Bewertungsreserven und Neuanlage im Niedrigszinsumfeld.

Was bedeutet dies aber für einzelne Versicherer?


Im ASCORE LV-Unternehmensscoring werden mehrere Kennzahlen ermittelt, deren zusammenhängende Betrachtung ein vollständigeres Bild bzgl. der Belastung der jeweiligen Gesellschaft durch die ZZR liefern soll. Da die Berechnung der ZZR einzelvertraglich erfolgt und nur bestimmte Tarifgenerationen von der ZZR betroffen sind, ist hierbei offenbar die Bestandszusammensetzung des jeweiligen Versicherers maßgebend. Dafür werden folgende Kennzahlen analysiert:

  • Mittlerer bilanzieller Bestandsrechnungszins unter Berücksichtigung des Referenzzinssatzes
  • Anteil vom Verpflichtungsvolumen (DRS) mit Rechnungszins von über dem aktuellen Referenzzins am gesamten Verpflichtungsvolumen (DRS)
  • Anteil der Zinszusatzreserve in Prozent an der gesamten DRS
  • „Durchschnittliche“ Restlaufzeit (bzw. eine Duration) der von der ZZR betroffenen Verträge
    • Auch die Nettoverzinsung ist indirekt, und das zeigt die Abhängigkeiten der Kennzahlen und Werte zueinander, betroffen, sodass ASCORE das Kriterium

      • „Modifizierte Nettoverzinsung“
        • entwickelt hat, das Sondereffekte auf Grund der ZZR im Unternehmensscoring berücksichtigt. Je höher der mittlere bilanzielle Bestandsrechnungszins sowie der Anteil der DRS mit den von der ZZR betroffenen Zinsgenerationen, desto höher die Belastung durch zugesagte Garantieverzinsungen im Schnitt. Laufen die Verträge ab, wird die ZZR frei, so dass die „Netto“-Belastung dementsprechend geringer ausfällt. Eine relativ geringe „durchschnittliche“ Restlaufzeit bei einem hohen Verpflichtungsvolumen und der ZZR insgesamt kann ein Indiz dafür sein, dass der ggf. aktuell hohe ZZR-Aufwand kurzfristig ist und in den kommenden Jahren durch Bestandsabbau mit einer Auflösung der ZZR zu rechnen ist. Hingegen kann eine hohe „durchschnittliche“ Restlaufzeit bei einem hohen Verpflichtungsvolumen der von der ZZR betroffenen Teilbestände eher darauf hindeuten, dass die Bildung der ZZR im Bestand noch länger deutlich über deren Auflösung liegt.

            Hinweise:
            1) Siehe Bundesgesetzblatt Jahrgang 2018 Teil I Nr. 35 Artikel 1 Abs. 1 >>
            2) Mittelung über die letzten 10 Jahre von Null-Kupon-Euro-Zinsswapsätzen mit einer Laufzeit von 10 Jahren