Eurosymbol im Eiswürfel

Die Lebensversicherer sind seit 2011 verpflichtet, zur Sicherung der Garantiezusagen in hochverzinsten Tarifen das Deckungskapital mittels sogenannter Zinszusatzreserve aufzustocken. In Zeiten der Niedrigzinsen gilt für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 alles, was über dem sogenannten Referenzzins von 2,54% verzinst ist, als hoch. Das heißt für alle Verträge mit einem Garantiezins von 2,75%, 3%, 3,25%, 3,5% oder 4% muss nachreserviert werden und der Anteil dieser Verträge im Bestand der Versicherer ist beachtlich. Nachdem Beiträge und Leistungen in der Lebensversicherung garantiert sind, werden für die zusätzlichen Rückstellungen nicht wie in der Krankenversicherung die Beiträge erhöht, sondern müssen aus dem Rohüberschuss genommen werden – und wird der Rohüberschuss geringer, wird die Überschussbeteiligung geringer. Damit der Rohüberschuss aber überhaupt genügend Mittel für die Reservierungen enthält, müssen zudem oft alte, gut verzinste Anleihen veräußert werden – was wiederum die zukünftige Kapitalanlage schwächt.

Die Zinszusatzreserve hatte zum 31.12.2014 branchenweit ein Volumen von gut 20 Mrd. EUR, zum 31.12.2015 war sie auf gut 30 Mrd. angewachsen und zum 31.12.2016 liegt sie bereits bei ca. 43 Mrd. (geschätzt). Ob ein derart hohes Reservierungsaufkommen notwendig ist bzw. ob durch die damit verbundene Schwächung der zukünftigen Kapitalanlage und der Überschüsse nicht langfristig mehr Schaden als Nutzen erreicht wird, wird von Fachkreisen kritisch gesehen. Daher fordert die Aktuarvereinigung (siehe Aktuar aktuell Nr. 38 auf aktuar.de) auch eine neue Berechnungsmethode mit einem langsameren Aufbau der Zinszusatzreserve.

Eine gewisse Entspannung wird es in einigen Jahren geben, wenn nach und nach hochverzinste Kapitallebensversicherungen ablaufen. Für eine effektive Entspannung und Kehrtwende in der Zinspolitik brauchen wir aber noch Hilfe von außen – von Herrn Draghi.

Hinweis: Zum 15. September veröffentlichen wir unser alljährliches Unternehmens-Scoring. In 2017 werden neben den bewährten Kennzahlen zu Erfahrung, Sicherheit, Erfolg und Bestand auch die neuen Solvency II Quoten und Werte zur Zinszusatzreserve enthalten sein.