Die neue Serie „Auswahl von Altersvorsorgeprodukten“ zeigt in den kommenden Ausgaben wichtige Aspekte von Produkten zur Altersvorsorge für die jeweilige Schicht in den Anlageformen klassisch, hybrid und fondsgebunden auf. Den Start macht: Die klassische Basisrente

Drei steuerliche Schichten, klassische Produkte, fondsgebundene Produkte, Hybridvarianten und vieles mehr – die Auswahl des passenden Produktes für den Kunden ist für Vermittler zu einer echten Herausforderung geworden.

Die Basisrente, umgangssprachlich auch als Rürup-Rente bezeichnet, wurde 2005 eingeführt. Sie ist  im Rahmen der ersten Schicht durch Steuervorteile staatlich gefördert.

Ein Großteil der Produktmerkmale in der klassischen Basisrente ist gesetzlich reglementiert. Trotzdem weisen die Bedingungswerke verschiedener Anbieter nicht unerhebliche Unterschiede auf  – auch bei entscheidenden Aspekten.

Wer von den Steuervorteilen der Basisrente profitieren will, hat im Gegenzug Einschränkungen hinzunehmen. Die Beleihbarkeit, Vererbbarkeit, Veräußerbarkeit, Übertragbarkeit und Kapitalisierbarkeit sind eingeschränkt bzw. ausgeschlossen – diese Einschränkungen haben alle Basisrenten. Solange diese Einschränkungen nicht den Wünschen des Kunden widersprechen, leidet die Attraktivität des Produktes keineswegs. Allerdings haben diese typischen Merkmale der Basisrente Auswirkungen auf die Produktauswahl, welche der Vermittler berücksichtigen muss. Denn entscheidet sich ein Kunde für einen Basisrentenvertrag, ist er bis zu seinem eigenen Ableben an den Vertrag und die  Versicherungsgesellschaft gebunden. Es gibt Anbieter, welche die Übertragung des Guthabens auf einen anderen Basisrentenvertag anbieten – wie es auch bei Riester-Verträgen möglich ist –  marktüblich ist diese Option jedoch noch nicht. Besteht keine Möglichkeit einer Übertragung, sollte der langfristigen Leistungsfähigkeit des Anbieters eine besondere Bedeutung bei der Produktauswahl beigemessen werden – denn die Möglichkeit eines Rückkaufs besteht nicht. Noch wichtiger als in den anderen beiden Schichten ist somit bei der klassischen Basisrente die Wahl des richtigen Versicherers.

Bei der Auswahl des Versicherers für klassische Produktvarianten der Basisrente empfiehlt es sich, die Betrachtung auf Unternehmenskennzahlen zu richten. Die Kennzahlen sollten  Aufschluss über die Finanzstärke geben, den Kapitalanlageerfolg wiederspiegeln, Aussagen zur Effizienz treffen und Rückschlüsse auf die langfristige Leistungsfähigkeit des Versicherers geben. Betrachtet werden sollten diese über einen längeren Zeitraum, da Trends über die Zeit sichtbar werden und einmalige Ausschläge in eine Richtung im Durchschnitt egalisiert werden. Die Beschaffung dieser Kennzahlen und deren Interpretation ist für Vermittler im Rahmen eines vertretbaren Aufwandes kaum möglich. Es ist empfehlenswert, hierfür unterstützende Produktbewertungen oder Tools zu Rate zu ziehen. Ist eine passende Versicherungsgesellschaft für die klassische Anlageform gefunden, kann der Blick auf das jeweilige Tarifwerk der Basisrente gelenkt werden.

Große Unterschiede gibt es hier bei den verschiedenen angebotenen Todesfallleistungen – vor allem während des Rentenbezugs. Die Bandbreite erstreckt sich über die Auszahlung des Restkapitals an die gesetzlichen Hinterbliebenen in Form einer lebenslangen Leibrente, über eine (abgewandelte) Rentengarantiezeit, echte Witwenrenten bis hin zu gar keiner Todesfallleistung. Zusätzlich bieten viele Anbieter den Abschluss einer separaten Risikolebensversicherung an, die stets die Höhe des vorhandenen Kapitals des Basisrentenvertrages umfasst. Praktisch erfolgt der Einschluss dieses zusätzlichen Vertrages über denselben Antrag, wie die Basisrente.  Dieser praktische Weg muss aber nicht gleichzeitig der prämienmäßig günstigste sein. Nicht alle Versicherer bieten eine Basisrente ohne Todesfallleistung an. Wünscht der Kunde dies, um eine höhere Rentenleistung zu erlagen, ist darauf zu achten, ob nicht obligatorisch eine Todesfallleistung an die gesetzlichen Hinterbliebenen in den Tarif einkalkuliert ist.

Die Flexibilität der Basisrente ist von Seiten des Gesetzgebers stark eingeschränkt. Deshalb sollte der ausgewählte Tarif zumindest ein Höchstmaß an erlaubter Flexibilität bieten. Eine flexible Ablaufphase, die sowohl ein Vorziehen des Rentenbeginns auf das Alter 60 erlaubt, als auch das Aufschieben des Rentenbeginns bis zum Alter von 80 oder 85 Jahren, ist wünschenswert.

Erlaubt ist bei der Basisrente auch der Einschluss von Zusatzversicherungen. Insbesondere der Einschluss einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung kann interessant sein, um bei den Beiträgen zur Berufsunfähigkeitsversicherung ebenso von der steuerlichen Absetzbarkeit zu profitieren, wie bei der Basisrente. Um die steuerliche Begünstigung zu erhalten, muss der Beitrag für die Zusatzversicherung kleiner sein als der Beitrag zur Altersrente. Bei der Kombination von Basisrente und Berufsunfähigkeitsversicherung wird das von Verbraucherschützern empfohlene Prinzip der Trennung von Risikoabsicherung und Altersvorsorge gebrochen. Dies muss aber nicht von Nachteil sein. Bietet der Versicherer die Möglichkeit bei Zahlungsschwierigkeiten die Basisrente beitragsfrei zu stellen und die beitragsfreie Berufsunfähigkeitsrente durch den Neuabschluss einer selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen zu ergänzen, kann das  vorher vorhandene Berufsunfähigkeits-Rentenniveau wieder erreicht werden. Auf diese Weise wird vermieden, dass die Risikoabsicherung aufgrund eines sich verschlechterten Gesundheitszustandes wegfallen muss, wenn die Beiträge zur Altersvorsorge nicht mehr aufgebracht werden können.

Den Versicherern bleiben somit selbst bei einem stark reglementierten Produkt wie der Basisrente noch eine Vielzahl an zu gestaltenden Optionen, um den Kundennutzen zu erhöhen und einige Alleinstellungsmerkmale zu schaffen oder neue Trends zu kreieren. All dies gilt es bei der Auswahl des passenden Produktes für den Kunden zu berücksichtigen.

Erschienen in Cash. 05/2010 ;  Autor: Mirko Theine