Hamburg, 27.10.2020 – Nachdem Anfang Oktober 2020 das Update des ASCORE PKV-Unternehmensscorings veröffentlicht wurde, folgen nun die Ergebnisse des aktuellen Unternehmensscorings für die Lebensversicherungsgesellschaften. Analog zum PKV-Unternehmensscoring gibt es auch hier Änderungen im Vergleich zum Vorjahr.

Bei der Verteilung der Punkte hat sich nichts geändert. Diese erfolgt auch weiterhin nach dem relativen Scoring-Verfahren, bei dem die einzelnen Kennzahlen im Vergleich zum Markt bewertet werden. Für jedes erfüllte Kriterium wird bei der Auswertung ein oder ein halber Punkt zugewiesen. Die so erreichte Gesamtpunktzahl wird dann auf sechs Kompasse umgelegt und in Kompassen dargestellt. Die Bewertungsbereiche sind weiterhin folgende: „Erfahrung“, „Sicherheit“, „Erfolg“ und „Bestand“.

Auf eine direkte Gewichtung der einzelnen Kriterien wird weiterhin verzichtet. Bei der Bewertungssystematik setzen wir nach wie vor auf eine umfassende Betrachtung eines Unternehmens und betrachten aussagekräftige Kennzahlen, die wir sowohl erweitert als auch nach etlichen Analysen in manchen Bereichen modifiziert haben.

Insgesamt flossen 15 bewertungsrelevante Kennzahlen (und somit um ein Kriterium weniger als im Jahrgang 2019) sowie 23 nicht-bewertungsrelevante Kennzahlen und sechs Info-Kennzahlen (Ergebnisse anderer Ratinghäuser) in die Analyse ein.

Das einzige Kriterium, welches im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr ins Ergebnis eingeht, ist die Nettoverzinsung nach der GDV-Formel. Zum Hintergrund: Die Nettoverzinsung kann wegen der Aufwände für die Zinszusatzreserve durch Realisierungen der Bewertungsreserven verzerrt sein und ist somit nicht als eine Vergleichsgröße geeignet. Der Sondereffekt auf Grund der Zinszusatzreserve lässt sich insbesondere daran erkennen, wie stark die Nettoverzinsung im Geschäftsjahr 2018 auf Grund der Einführung der Korridormethode zur Festlegung der Referenzzinses und als Folge der stark gesunkenen Aufwendungen für die Zinszusatzreserve branchenweit um fast einen Prozentpunkt von 4,5% in 2017 auf 3,6% in 2018 gesunken ist und somit seit 2009 zum ersten Mal unter 4% lag. Im Geschäftsjahr 2019 sind die Aufwände für die Zinszusatzreserve infolge der weiteren Senkung des Referenzzinses wieder gestiegen und so auch die Nettoverzinsung auf 3,9%. Die Nettoverzinsung nach GDV wird im Rating weiterhin ausgewiesen, jedoch nur nachrichtlich. Die modifizierte Nettoverzinsung, bei der die Sondereffekte auf Grund der Zinszusatzreserve berücksichtigt werden, bleibt hingegen bewertungsrelevant. Diese ist im Unterschied zur GDV-Nettoverzinsung im Vergleich zum Vorjahr mit 3,2% stabil geblieben.

Im Bereich „Erfolg“ ist auch bei den Kostenquoten eine positive Entwicklung zu beobachten. Im Geschäftsjahr 2019 betrugen die Abschlussaufwendungen im Verhältnis zur Beitragssumme des Neugeschäfts 4,3% nach 4,6% in 2018. Auch bei der Verwaltung der Versicherungsverträge waren die Gesellschaften effizienter: die Verwaltungskostenquote ist ebenso um 0,3-Prozentpunkte gesunken, und zwar auf 1,9% in 2019. Die Ergebnisquote liegt jedoch trotz der höheren Kapitalanlageerträge und niedrigeren Kosten um ca. 0,2%-Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert und beträgt im aktuellen Geschäftsjahr 9,5%. Davon wurde den Versicherten ca. 87,0% in Form der Zuführung zur RfB sowie einer Direktgutschrift zugeführt, während im Jahr 2018 den Kunden noch 85,4% zu Gute gekommen sind.

Bei den Sicherheitskennzahlen ist die Situation branchenweit relativ stabil. Sowohl bei der Eigenkapitalquote als auch der RfB-Quote ergeben sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügige Änderungen an der 2. Nachkommastelle. Diese Quoten betrugen im Geschäftsjahr 2019 2,34% nach 2,37% in 2018 bzw. 5,67% nach 5,69% in 2018. Bei der Eigenmittelquote nach GDV ist branchenweit ein leichter Rückgang zu beobachten: Diese ist um 4,4-Prozentpunkte auf 140,9% in 2019 gesunken. Lediglich bei der Sicherheitsmittelquote, bei der solche Sicherheitsmittel wie Eigenkapital, Schlussüberschussanteilfonds, freie RfB und Zinszusatzreserve berücksichtigt werden, ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Die Quote ist auf 15,3% nach 14,7% gestiegen, was im Wesentlichen auf den weiteren Aufbau der Zinszusatzreserve zurückzuführen ist.

Bei den Solvency-Quoten werden die Werte analog zum PKV-Unternehmensscoring über die letzten 3 Jahre gemittelt, um mögliche Schwankungen auszugleichen. Im Unterschied zu den Krankenversicherern wird die Mindestgröße von 100% von zehn Lebensversicherern immer noch nicht erreicht. Die SCR-Netto-Quote bleibt somit weiterhin – zusammen mit der SCR-Quote ggf. inkl. Volatilitätsanpassungen – bewertungsrelevant. Diese betrug durchschnittlich 250% im Geschäftsjahr 2019 nach 280% im Geschäftsjahr 2018. Die Bedeckungsquote inkl. evtl. Volatilitätsanpassungen und Übergangsmaßnahmen ist ebenso gesunken: von durchschnittlich 530% in 2018 auf 425% im Geschäftsjahr 2019. Die Übergangsmaßnahmen wenden aktuell 53 von insgesamt 64 bewerteten Gesellschaften an.

Bei den Bestandskennzahlen konnten die gebuchten Bruttobeiträge im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert werden. Auch im Neuzugang ist eine positive Veränderung im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten.

Die vollständige Ergebnisliste des ASCORE LV-Unternehmensscorings kann nachfolgend heruntergeladen werden. Anwender des ASCORE Navigators können die Einzel- und Detailergebnisse direkt im Programm einsehen. Zudem werden die Unternehmenswertungen demnächst auch in den LV-Vergleichslösungen von softfair als qualitativer Filter innerhalb der Berechnungsvorgaben nutzbar sein.

Die Ergebnisse des ASCORE LV-Unternehmensscorings 2020:
ASCORE LV-Unternehmensscoring