Hamburg, 24.11.2020 – Im Rahmen der Aktualisierung der ASCORE-Unternehmensscorings wurde abschließend der aktuelle Ratingjahrgang in der Sparte Komposit veröffentlicht. An Art und Weise der Punktevergabe hat sich nichts geändert. Sie erfolgte auch in diesem Jahr nach dem relativen Scoring-Verfahren, bei dem die einzelnen Kennzahlen im Vergleich zum Markt bewertet werden. Für jedes erfüllte Kriterium wird dem Anbieter bei der Auswertung ein ganzer oder ein halber Punkt zugewiesen. Die Gesamtpunktzahl wird dann entsprechend der jeweils erreichten Wertungsklasse in ASCORE Kompassen ausgedrückt. Die vier Bewertungsbereiche sind weiterhin: „Erfahrung“, „Sicherheit“, „Erfolg“ und „Bestand“.

Auf eine direkte Gewichtung der einzelnen Kriterien wird wie in den vergangenen Jahren verzichtet. Bei der Bewertungssystematik setzen wir nach wie vor auf eine umfassende Betrachtung eines Unternehmens und betrachten aussagekräftige Kennzahlen, die wir sowohl erweitert als auch nach etlichen Analysen in manchen Bereichen modifiziert haben.

Wie schon 2019 flossen insgesamt zehn bewertungsrelevante Kennzahlen sowie neun nicht-bewertungsrelevante Kennzahlen in die Analyse ein.

Bei den Sicherheitskennzahlen ist die Situation branchenweit relativ stabil. Im Geschäftsjahr 2019 konnten die Sachversicherer ihr Eigenkapital (inkl. nachrangiger Verbindlichkeiten und abzüglich angekündigter Dividendenzahlungen) insgesamt von 15,6 Mrd. Euro auf 16,6 Mrd. Euro steigern. Im Verhältnis zu dem Branchengesamtwert der verdienten Prämien feR ist die Eigenkapitalquote leicht von 38,9% in 2018 auf 38,8% in 2019 gesunken. Der Mittelwert von Eigenkapitalquoten aller betrachteten Gesellschaften (exkl. weniger Ausreißer) lag hierbei mit 52,8% im Geschäftsjahr 2019 über dem Vorjahresdurchschnitt von 52,7%.

Bei den Solvency-Quoten werden die Werte analog zu den beiden schon veröffentlichten Unternehmensscorings in Sparten Kranken und Leben über die letzten drei Jahre gemittelt, um mögliche Schwankungen auszugleichen. Wie auch bei den Krankenversicherern wird die Mindestgröße von 100% von allen Sachversicherungsunternehmen überschritten. Die SCR-Netto-Quote bleibt somit weiterhin – im Unterschied zu der SCR-Quote ggf. inkl. Volatilitätsanpassungen – nicht-bewertungsrelevant. Die SCR-Quote inkl. Volatilitätsanpassungen, wenn vorhanden, betrug durchschnittlich 256% im Geschäftsjahr 2019 nach 262% im Geschäftsjahr 2018. Die Übergangsmaßnahmen werden aktuell von keiner Gesellschaft angewendet.

Im Bereich „Erfolg“ wurden einige Kennzahlen leicht modifiziert: die Berechnung der Kennzahlen versicherungstechnische Ergebnisquote (vor Schwankungsrückstellungen), versicherungstechnische Ergebnisquote (nach Schwankungsrückstellungen) sowie Schwankungsrückstellungsquote erfolgt nun im Verhältnis zu den verdienten Bruttobeiträgen statt der verdienten Nettobeiträge wie im Vorjahr. Statt der Netto-Kosten- und Netto-Schadenquote werden nun auch die Brutto-Kennzahlen analysiert. Zum Hintergrund: Die Gesellschaften mit einem hohen Anteil der Rückversicherung können auf Grund der evtl. hohen internen Schadenbearbeitungskosten in der Schadenquote benachteiligt werden, während die Kostenquote evtl. auf Grund der hohen erhaltenen Provisionen aus dem in Rückdeckung gegebenen Versicherungsgeschäft sogar negativ sein kann. Um diese Verzerrungen zu vermeiden, wird somit der gesamte Schaden- bzw. Kostenaufwand im Unternehmen betrachtet. Die Kennzahl Netto-Combined-Ratio bleibt im Gegensatz dazu unverändert, um den tatsächlichen Aufwand des jeweiligen Unternehmens nach Abzug des Anteils des Rückversicherers darzustellen und ergänzend zu den Brutto-Kosten- und -Schadenquote zu bewerten. Da sowohl die internen Schadenbearbeitungskosten als auch die Rückversicherungsprovisionen in die Netto-Combined-Ratio fallen, werden die beiden Effekte in der Quote ausgeglichen.

Insgesamt lässt sich bei den Erfolgskennzahlen im Vergleich zum Vorjahr eine positive Veränderung beobachten. Die Brutto-Schadenquote ist branchenweit von 67,4% im Geschäftsjahr 2018 auf 66,0% im Geschäftsjahr 2019 gesunken. Trotz leichten Anstieges der Brutto-Kostenquote um ca. 0,1-Prozentpunkte auf 27,2% ist bei der versicherungstechnischen Ergebnisquote (vor Schwankungsrückstellungen) eine Steigerung von 4,2% im Jahr 2018 auf 5,0% in 2019 zu verzeichnen. Die Netto-Combined-Ratio lag mit 93,8% im Jahr 2019 unter dem Vorjahreswert von 94,9%. Auch das Ergebnis aus Kapitalanlagen im Verhältnis zu den verdienten Prämien feR ist erfreulicherweise von 8,0% im Vorjahr auf 8,9% im Geschäftsjahr 2019 gestiegen.

Bei den Bestandskennzahlen konnten die verdienten Bruttobeiträge im Vergleich zum Vorjahr wieder gesteigert werden. Auch bei der Anzahl der mindestens einjährigen Verträge ist eine positive Veränderung im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten.

Die vollständige Ergebnisliste des ASCORE Komposit-Unternehmensscorings kann nachfolgend heruntergeladen werden. Anwender des ASCORE Navigators können die Einzel- und Detailergebnisse direkt im Programm einsehen. Zudem werden die Unternehmenswertungen demnächst auch in den SUH-Vergleichslösungen von softfair als qualitativer Filter innerhalb der Berechnungsvorgaben nutzbar sein.

Die Ergebnisse des ASCORE Komposit-Unternehmensscorings 2020:
ASCORE Komposit-Unternehmensscoring