Wir alle wissen, dass das Tarifniveau in der Berufsunfähigkeitsversicherung extrem hoch ist und lediglich einzelne Formulierungen den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Tarif ausmachen. Optionale Bausteine und Klauseln sind häufig unabdingbare Ergänzungen und grenzen die verschiedenen Tarife deutlich voneinander ab. So können, neben den gängigen Arbeitsunfähigkeits- oder Infektionsklauseln, auch Leistungen für schwere Krankheiten, Unfälle oder Grundfähigkeiten eingeschlossen werden. Doch die Zusatzleistungen verändern auch die Kalkulation der Versicherungen und die Kund:innen müssen dafür einen höheren Beitrag zahlen.

Dieser Trend erfasst auch andere Tarifbereiche. So werden nun ebenfalls in ersten Grundfähigkeitstarifen Leistungen wegen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung länger als sechs Monate ausgezahlt, die Infektionsklausel kann mitversichert oder eine Dread-Disease-Option kann eingeschlossen werden. Mit der Zunahme an Extras und Optionen wird nun an dem Grundgerüst der Grundfähigkeit gerüttelt. Denn anders als die Berufsunfähigkeit sichert eine Grundfähigkeit keineswegs die Arbeitskraft ab, sondern bestimmte körperliche Fähigkeiten wie Sehen, Greifen, Gehen oder Sprechen. Ob die Versicherten nach einem Unfall oder einer Krankheit weiterarbeiten können oder nicht, spielt keine Rolle. Es kommt einzig darauf an, ob die versicherte Fähigkeit verloren gegangen ist.

Ein großer Vorteil der Grundfähigkeit und warum sie im Vergleich zur Berufsunfähigkeit günstiger ist, ist der Ausschluss der Psyche. Laut aktuellen Studien leidet knapp jede dritte Person, die berufsunfähig wird, etwa unter Depressionen, Burnout oder anderen psychischen Problemen. Also mit großem Abstand der häufigste Grund, warum Menschen berufsunfähig werden. Hohes Risiko bedeutet hohe Kalkulation und hohe Beiträge. Und genau dies ist die Herausforderung in der Grundfähigkeit mit dem Baustein der Arbeitsunfähigkeits-Klausel. In der Arbeitsunfähigkeits-Klausel wird nämlich nicht unterschieden aus welchen Gründen die versicherte Person eine Krankmeldung bekommt. Dies bedeutet, dass das große Risiko Psyche eben indirekt über die Arbeitsunfähigkeitsklausel in der Kalkulation doch eine wichtige Rolle einnimmt und die Beiträge deutlich steigen lässt. Die Grundfähigkeitsversicherung sollte auf keinen Fall am Markt als eine „abgespeckte Berufsunfähigkeit“ verkauft werden, denn ein Vergleich ist aufgrund der verschiedenen Absicherungen fast unmöglich.

Natürlich ist der Markt stark umkämpft und die Versicherer sind gezwungen sich von anderen Gesellschaften durch Innovationen oder neuen Ideen am Markt abzuheben. Dennoch ist es wichtig, den Grundgedanken der jeweiligen Versicherung nicht aus den Augen zu verlieren. Daher sind wir der Meinung, dass der Fokus wieder mehr auf den grundlegen Zweck der Versicherung gelegt werden soll. Auch aus dem Vertrieb hören wir immer wieder: „Manchmal ist weniger eben doch mehr!“ Je einfacher und verständlicher die Produkte strukturiert sind, umso mehr Kunden vertrauen diesen Produkten.